Seite 1 von 1

Out-of-Stock aus Bondaten ableiten trotz positivem Systembestand?

Verfasst: Sa 10. Okt 2026, 11:31
von mkoch
In unserem Controlling kämpfen wir mit der sauberen Auswertung der Warenverfügbarkeit auf Filialebene. Das Warenwirtschaftssystem meldet Bestand größer null, trotzdem zeigen Kassenbons über Tage keine Abverkäufe bei Schnelldrehern, was auf Lücken im Regal oder im Hinterlager hindeutet. Wir prüfen derzeit, fiktive Out-of-Stock-Kennzahlen aus Abverkaufsunterbrechungen abzuleiten und mit Inventurdifferenzen zu verknüpfen. Wie löst ihr das in der Praxis? Welche Schwellenwerte für Abverkaufspausen haben sich bewährt und wie visualisiert ihr das für Marktleiter verständlich ohne täglichen Mehraufwand?

Re: Out-of-Stock aus Bondaten ableiten trotz positivem Systembestand?

Verfasst: Sa 10. Okt 2026, 12:32
von staylor
Ursache ist meist Phantom­bestand: Systembestand positiv, aber Ware nicht verkaufsbereit wegen nicht verräumtem Hinterlager, Diebstahl, Bruch, Fehlbuchung oder falschem Lagerplatz. Deshalb ist der Bondatenansatz richtig. Wir definieren in der Praxis eine Kennzahl Fiktiv-OOS: Artikel mit Systembestand größer null, Filiale geöffnet und keine Bonposition über N aufeinanderfolgende Verkaufstage, wobei N nach Dreherklasse gestaffelt wird. Bewährt haben sich für A-Artikel mit Tagesabsatz größer 3 Stück maximal 1 bis 2 Nulltage, für B-Artikel 3 Tage, für C-Artikel 5 bis 7 Tage plus Abdeckung über erwarteten Absatz aus gleitendem 4-Wochen-Durchschnitt. Umsetzung im DWH per Tagesfakt auf Filial-Artikel-Ebene mit Left Join aus Kalender, Bestandssnapshot und POS-Absatz, dann fortlaufende Nullverkaufs-Zählung per Window Function. Prüfschritte sind Abgleich mit Inventurdifferenzen, Retouren und Listungen. Für Marktleiter zeigen wir eine wöchentliche Ampelliste mit nur den Top-30 Umsatzrisiken, Bestand, Tagen ohne Verkauf und potenziellem Umsatzverlust, direkt als Aufgabe im Store-Frontend ohne Zusatzreporting.